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Agnes Goldmann – meine Geschichte

Es ist Vorweihnachtszeit. Die Kärntnerstrasse ist voll. Gefüllt mit Menschen in warmen Wintermänteln und Jacken die Weihnachtseinkäufe erledigen. Ein Samstag. Es ist schon halb dunkel, vielleicht war es auch nie wirklich hell. Wir – mein Bruder und ich sind mit meinen Eltern unterwegs. Weihnachtseinkäufe. Plötzlich bleiben wir stehen. Meine Eltern haben zufällig jemanden getroffen. Jetzt ist es fad. Wir sind zirka halb so groß wie die Erwachsenen. Ich sehe die Gesichter nicht, ich verstehe nicht worüber sie reden. Eine gefühlte Kinderewigkeit.

Endlich gehen wir weiter. „Wer war das?“ frage ich. „Ich weiß nicht“, antworten meine Eltern.

Das merke ich mir. Ich kann mit einem Menschen, dessen Namen ich nicht kenne ein langes Gespräch führen. Eines das spürbar angenehm war. Und auch nicht nichtig. Ich lerne von meinen Eltern es geht um den Menschen. Egal welcher Name, welche Position. Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Dem wir mit Wertschätzung und Respekt begegnen.

Jahre später – ich sehe einen Film. „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Das prägt sich ein, das will ich auch tun. DA SEIN. Die Hauptfiguren betreiben ein Waisenhaus und machen illegale Abtreibungen. Und wieder: Es geht um den Menschen. Das individuelle Schicksal steht im Vordergrund. Es wird getan was zu tun ist. Ich will auch etwas tun.

Noch ein paar Jahre später. Ich habe Volkswirtschaft unter der Mindeststudienzeit studiert. Fertig. Ich bewerbe mich auf der Pädagogischen Hochschule. Volkschullehrerin will ich werden. Mein Herz schlägt schon immer für Kinder und fürs Unterrichten. Ich habe mein Studium mit Nachhilfegeben finanziert. Es gibt keine dummen Menschen. Es ist vielleicht nur schlecht erklärt. Ich werde auf der Pädak aufgenommen. Verdammt. Auch eine Zusage der Nationalbank.

Ich beginne in der Bank zu arbeiten. Die Leidenschaft des Unterrichtens bleibt auf der Strecke.

Wieder Jahre später: Teach for Austria – Aufnahmeverfahren – wieder die Möglichkeit zu unterrichten – an Hauptschulen – einfach so. Es geht um den Menschen – ja, endlich! Einen Unterschied machen. Den Menschen sehen und nicht das Unterrichtsfach in den Vordergrund stellen.

Ich entscheide mich für die Selbständigkeit.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der Mensch.

Ich unterrichte. Kommunikation und Teammanagement an der Uni und an FHs.

Elterncoachings in Kindergärten. Ich moderiere Dialoge. Ich arbeite mit Teams und Führungskräften.

Im Mittelpunkt steht der Mensch und die zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

Das ist das Leben.

Mein Leben.