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Väterkarenz Teil 2 – Wozu?

shutterstock_279005339Schatz, ich bin schwanger! :-)
Relativ rasch nach diesen Worten taucht als werdender Vater die Frage auf, wie man sich um das neue Glück kümmern möchte.

Geht Vater in Karenz und wenn ja, wie lange? Bringt die Väterkarenz was?

Ich möchte diese Sache mal von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachten. Nämlich ausgehend von der Frage :

Was ist Dir im Leben wirklich wichtig?

Wenn man diese Frage einem Jugendlichen stellt, kommt vielleicht „Freiheit“ raus. Später vielleicht „Beruflicher Erfolg“ oder viel „Geld“, viel „Urlaub/Freizeit“,  Vorankommen im Beruf, Ansehen, eine Führungsposition, etc. Das Wunschprogramm ist unendlich und sehr individuell. Sehr oft ist es geprägt vom eigenen Vater und was dieser gemacht hat. Daraus entsteht dann oft der gleiche oder der entgegengesetzte Weg. Wenn der Vater viel gearbeitet hat, will man vielleicht wenig arbeiten, weil man das Gefühl hat, so will man sein Leben nicht verbringen. Oder umgekehrt. Oder man will den gleichen Weg wie der Vater gehen.

Sich an der letzten Generation bezüglich Väterkarenz zu orientieren macht auch wenig Sinn, weil sich das Väterbild ständig verändert. Was man von der Generation Y (zwischen 1980 und 2000 Geborene) sagt, ist dass sie mehr auf Ihre eigenen Bedürfnisse schaut. Leistung im Job, die die Generation davor (X) oft mit 60-80 Stunden-Wochen bewiesen hat, sind weniger relevant. In den Vordergrund rückt die Work-Live-Integration, mit Schwerpunkt auf Live.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das eine Entwicklung in die richtige Richtung ist. Bei meinen ersten 3 Kindern war ich je eine Woche nach der Geburt zu Hause, dann ging es wieder ab ins Hamsterrad. Das war natürlich für alle Beteiligten nicht leicht, aber für den finanziellen Erhalt der Familie notwendig. 

Auch heute ist es für Väter oft schwierig, mehr Zeit für die Väter zu rechtfertigen. Arbeitgeber und Vorgesetzte, oft sogar selbst Väter, machen Väterkarenzwilligen das Leben schwer. 

Teilweise aus deren Sicht sogar zurecht. Wie soll man einen Arbeitsplatz für 2 Monate oder mehr anders besetzen, speziell in kleineren Unternehmen? Ich kenne aber auch ein Beispiel aus einer staatlichen Schule, in der die Direktorin einem Vater gesagt hat, dass er sich einen neuen Job suchen kann, sollte er in Väterkarenz gehen. Gesellschaftlich bewegen wir uns aber auch in Richtung Väterkarenz und zu einem positiven Ruf derjenigen Väter, die sich diese Zeit nehmen. Beides gibt es. 

Ich hab auch einen Vater kennen gelernt, der sich darüber beschwert hat, dass er jetzt nicht mehr jeden Business-Abendtermin in seiner Rolle als Geschäftsführer wahrnehmen konnte, weil er zwei Kinder mit 2 und 4 Jahren hat…Mein Appell, dass er dieses viele Arbeiten vielleicht mal bereuen wird, weil er die Entwicklung seiner Kinder versäumt, ist bei ihm nicht angekommen. In seiner Branche, Werbung, ist bis tief in die Nacht hinein arbeiten üblich.

Viel wichtiger als das, was „man tut“, weil es vielleicht Branchenüblichkeiten oder das gesellschaftliche Umfeld vorgeben, ist also die Frage „Wie will ich mein Leben mit meinem Kind gestalten, was will ich ihm geben?“. 

Bei meinem vierten Kind, mit 48 Jahren war ich schon etwas weiser als mit 28, hab ich mir diese Frage gestellt. Und die Antwort war „Zeit“. 

Zeit mit meinem Kind ist ein Geschenk für alle. Für das Kind, für meine Frau, für mich. Zeit erzeugt Bindung, liebevolle Bindung. Ich schätze und liebe die Momente, die ich mit meinem Sprössling am Morgen verbringen kann. In Ruhe, ohne dass ich in Hektik oder Stress verfalle, sitzt er auf meinem Schoß und wir beginnen gemeinsam den Tag. Manchmal sieht er mich an, hält inne und lächelt. Weil er sieht, dass ich ihn anlächle. Ein inniger Moment, indem sich zwei Menschenseelen begrüßen. 

Diese Momente würde ich nach 30 Jahren Business- und Familien-Erfahrung als die Wichtigsten in meinem Leben bezeichnen. Jede Minute, die ich mit meinen Kindern verbringen durfte, war ein Geschenk. Und dieses Geschenk beginnt mit der Erlaubnis an sich selbst, sich diese Zeit in vollen Zügen nehmen zu dürfen. Meiner Meinung nach zeugt es auch von großer Führungskompetenz, dieser Zeit für sein Leben einen hohen Wert einzuräumen.

Persönliche Werte verändern sich im Laufe der Jahre und des Alters. Was sich zwar auch stetig verändert, aber gleichzeitig immer bleiben wird, ist der Bezug zu unseren Kindern. Diese begleiten uns unser ganzes Leben lang. Aus diesem Grund kommt von mir ein großes „Ja“ für  die Väterkarenz. Für mich heißt es, dem Wichtigsten im Leben gut Zeit widmen.

 

Im nächsten Beitrag werde ich, weil es mir ja wichtig ist, einen ehrlichen Väterblog zu schreiben, auch die anderen Seiten zeigen. Wie ist das zum Beispiel mit der Hausarbeit?

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